Projektseminar auf Schloss Hirschberg im Wintersemester 07/08
Wie funktioniert Geschichte? – Mit seinem Text „Angelus Novus“ über ein Bild von Paul Klee hat Walter Benjamin seinerseits eine philosophische Ikone der Geschichtsphilosophie geliefert. Daß Kunstwerke und Ästhetik mitunter untrennbar mit Geschichte und Politik verbunden sind, zeigten die Vorträge und Diskussionen des Studiengangs Historische Kunst- und Bilddiskurse im oberbayerischen Beilngries. Die Beeinflussungen geschehen dabei in gegenläufige Richtungen: Geschichte kann ästhetisiert werden, etwa in regelrecht inszenierten Kriegsfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg oder in den höchst umstrittenen Historienmalereien zum RAF-Komplex von Gerhard Richter. Die Kunst selbst wird auch historisiert, einerseits eng an die geschichtlichen Verläufe gekoppelt wie etwa während der Wirren der Französischen Revolution, andererseits zum Gegenstand einer philosophischen Geschichtsschreibung genommen wie etwa in den einflußreichen Schriften J. J. Winckelmanns.
Die Gastdozentin dieses Semesters, Frau Professor Elisabeth Décultot von der École Normale Supérieure Paris, präsentierte dazu ihre eigenen bahnbrechenden Forschungen zu Winckelmann. Ein anschauliches Beispiel für ästhetisierte Geschichte erläuterte Klaus Endemann in einer Führung durch die Münchner Residenz, nicht zuletzt anhand der Frage, ob die Residenz eher als historisches Denkmal oder als Museum verstanden werden sollte.
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