Exkursion nach Paris zur Ausstellung von Gustave Courbet im Dezember 2007
Als eine ästhetische Tendenz, welche das Sichtbare der Realität gegen das Unsichtbare des Idealen stark macht, hat der „Realismus“, wie ihn der französische Maler Gustave Courbet 1855 ausrief, eine deutliche Verwurzelung in jahrtausendealten Fragestellungen der Philosophie. Darüber hinaus war Courbet ein Maler, der sich neugierig, nicht etwa skeptisch, gegenüber dem neu entstehenden Medium der Fotographie zeigte. Und die Titel seiner Werke spielen nicht selten ein geradezu literarisches Spiel mit der Vieldimensionalität; etwa wenn ein lange unter Verschluß gehaltenes Bild Courbets „L´ Origin du Monde“ heißt, der „Ursprung der Welt“. Man sieht darauf das nackte Geschlecht einer Frau zwischen ihren gespreizten Schenkeln; der natürliche „Ursprung der Welt“ für das Neugeborene, aber auch das nackte Zeichen für den erotischen Trieb, der uns laut der Theorie der Psychoanalyse antreibt und uns damit als Triebursache in die Welt hineinzieht. Solche vielfältige Verweise zwischen Philosophie, Medialität und Literarizität waren für den Studiengang „Historische Kunst- und Bilddiskurse“ Grund genug, zur Courbet-Ausstellung zu fahren, die im Pariser Grand Palais gezeigt wurde.
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