Das Eine und das Viele
unter dieser Thematik stand das gesamte Semesterprogramm des Elitestudiengangs „Historische Kunst- und Bilddiskurse“ im Sommer 2008. Die vielen Seminare trugen aus je verschiedenen Blickwinkeln zum großen Ganzen des wissenschaftlichen Diskurses bei: Gearbeitet wurde etwa unter Themenstellungen wie „Das multiplizierte Bild. Reproduktionen und Bildgedächtnis in Antike und Früher Neuzeit“, „Sozialportraits – Anonyme Bildnisse und soziale Systeme in Malerei, Illustration und Fotografie“ und „Play it Again. Dramaturgie der Wiederholung in Theater und Film“ in transdisziplinärer, zwischen Kunst- und Filmgeschichte, Archäologie und Philosophie vermittelnder Perspektive.
Das abschließende Projektseminar, das diesmal am Standort der Sprecheruniversität der „Historischen Kunst- und Bilddiskurse“ stattfand, präsentierte mit einer Fülle von Vorträgen die Früchte der Semesterarbeit. So sprach Katharina Eck über „Die Funktion von Wiederholungsstrukturen im Noveau Roman“, Nele Putz über „Die fotographische Selbstinszenierung Kaiser Wilhelms II.“ und Florian Kromus über „Die Abgußsammlungen Wilhelm von Humboldts und Johann Wolfgang von Goethes“; alle drei studieren im 1. Jahr und haben nun ihr Auslandssemester in Paris unmittelbar vor sich.
Als Gaststudierende aus der französischen Hauptstadt nahmen diesmal Méline Tan Luc Si und Félicie de Meaupeou teil; Frau Tan Luc Si stellte den französischen Künstler Marin de Bourgeoys vor. Frau de Meaupeou beleuchtete das komplexe Verhältnis zwischen dem Einen und dem Vielen in Bezug auf die „Entstehung und Umsetzung der Nymphéas von Monet in der Orangerie des Tuileries“.
Zwanglos fügten sich aber auch die Präsentationen des Pionierjahrgangs in die Thematik ein. Die Studierenden, die als erste in das 2006 gegründete Eliteprogramm aufgenommen wurden, schreiben derzeit an ihren Masterarbeiten. Die Vorträge Aysegül Cihangirs über den „Gebrauch der Fotografie unter Sultan Abdul Hamid II“ und Robert Bauernfeinds über „Die gemalten Kunstkammern in der flämischen Barockmalerei“ knüpften aus dem Blickwinkel der individuellen Forschungen der Magistranden Verbindungen zum Semesterthema „Das Eine und das Viele“. Ergänzende Akzente setzten Tanja Kreutzer, die sowohl aus kunst- als auch literarhistorischer Perspektive über das Mittelalterbild in den Viten Giorgio Vasaris sprach. Stärker philosophisch orientierte Arbeiten, immer aber mit dem Blick auf die Kunst, werden derzeit von Vivien Rathjen und Dominik Brabant verfaßt. Während Rathjen eine „philosophisch-wahrnehmungstheoretische Untersuchung der Schrift Das Problem der Form in den Bildenden Kunst von Adolf von Hildebrand“ vorlegen wird, arbeitet Brabant unter dem Titel „Moderner Heraklitismus“ zu den kunstphilosophischen und ästhetischen Schriften des soziologischen Klassikers Georg Simmel.
Unter diese Beiträge aus ideengeschichtlicher Sicht reihte sich auch der Vortrag des diesmaligen Gastdozenten, Prof. Jacques-Olivier Bégot von der Pariser Ecole Nationale Supérieure, ein: Er entwickelte unter dem Titel „Wiederholungen des Tragischen“ das sowohl ästhetisch wie auch geschichtsphilosophisch wirkende Verhältnis zwischen Trauerspiel und Allegorie bei Walter Benjamin.
Zu all der Theorie lieferte das reiche Exkursionsprogramm eine wichtige praktische Ergänzung. Frau Dr. habil. Kerstin Merkel stellte ihren hochinformierten Rundgang durch die Eichstätter Innenstadt mit Stationen u.a. am Dom, der Abtei St. Walburg und der Kapuzinerkirche unter die übergeordnete Thematik der Grabdenkmäler. Prof. Thomas Frangenberg von der University of Leicester beschrieb den prächtigen Spiegelsaal der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz, Klaus Endemann, ehemals Leiter des Restaurierungszentrums der Bayerischen Schlösserverwaltung, vermittelte bei einer Begehung der verschiedenen Bauten Schloß Nymphenburgs seine intime Kenntnis des Bauwerkes den Exkursionsteilnehmern, und Prof. Werner Schiedermair von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt führte durch das Kloster Hohenschäftlarn.
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